Musikalische Stolpersteine

Sind Ihnen die Komponisten Erwin Schulhoff, Szymon Laks oder Gideon Klein ein Begriff? Nein? Das ist nicht verwunderlich, denn sie gehörten zu den Größten ihrer Zeit, wurden aber von NS-Deutschland radikal verboten und verfolgt – leider gerieten sie nach dem Krieg in Vergessenheit.

Der Großteil der betroffenen Künstler/innen wurde schon direkt nach der Machtübernahme drangsaliert und ausländische oder jüdische Kulturschaffende schon in dem 20ern von rechten Gruppierungen diffamiert. Es traf selbst die größten Namen wie Fritz Kreisler, Paul Hindemith, Béla Bartók oder gar Karol Szymanowski.

1938 folgte mit der Ausstellung ‘Entartete Musik’ die endgültige Manifestation der Machthaber, was nicht erwünscht sei. Diese Ausstellung wurde erst 1988 von Dr. Albrecht Duemling rekonstruiert und wird seitdem weltweit gezeigt.

Mit Kriegsbeginn 1939 wurde die Kulturverfolgung zum Wahn: 1940 wurde per Erlass polnische Hochkultur grundsätzlich verboten, symbolisch als erste Statue im 2. Weltkrieg überhaupt das Chopin-Denkmal in Warschau gesprengt – um zu symbolisieren, dass der polnischen Kultur ein Ende gesetzt wird.
Diese Kulturvernichtung, die viele nicht-kollaborierende Länder Europas und die europäischen Juden betraf, war systematisch geplant und erfolgte auf gesetzlicher Grundlage der gewählten deutschen Regierung und war kein ‘Kriegsschaden’.

Die Konzertreihe Musikalischer Stolpersteine entstand mit der Genehmigung des Künstlers Gunter Demnig mit dem Ziel, die zwischen 1933 und 1945 verbotenen, verfolgten und ermordeten Künstler und Komponisten zu würdigen und ihr Schaffen auf die Bühnen zurückzuholen – auf  höchsten Niveau, in angemessenem Rahmen und besonders durch die Darbietung durch junge Künstler/innen und Studenten der Musikhochschulen Bremen, Hannover, Berlin und Hamburg.

Die Idee entstand 2016 und geht auf eine Initiative der HfK-Studenten Aldo Brecke und Roman Ohem zurück und wurde bereits im März 2017 im Rahmen des Polnischen Abends in der traditionsreichen Bremer Glocke umgesetzt: Es erfolgte eine Uraufführung von noch nie gehörten Werken, die in den KZ Auschwitz und Buchenwald entstanden.

Schon im Oktober 2017 fanden daraufhin umfangreiche Thementage zu verfemter Musik ‘Unerhörte Schätze’ an der Hochschule für Künste in Bremen statt, die Konzerte, Vorträge, Workshops und eine Filmvorführung für Studenten aus der ganzen Bundesrepublik boten. Einen Meisterkurs für Violine und Klavier mit ausschließlich verfemten Komponisten leitete der renommierte Professor und Pionier dieses Fachgebiets Kolja LessingGefördert wurde das Projekt durch die Beauftragte der Bundesregierung  für Kultur und Medien (Staatsministerin Monika Grütters).

Seitdem verbreitet CULTURE CONNECTS zunehmend die Werke und vor allem die Geschichte der zumeist vergessenen und verdrängten Komponisten in einer mittlerweile bundesweit aktiven Konzertreihe. 

2020 sind Konzerte in Hamburg, Bremen und Berlin geplant, in Andenken an das Weltkriegsende vor 75 Jahren.

Mehr Informationen hierzu finden Sie auf der zukünftigen Homepage des Projektes: www.musikalische-stolpersteine.eu, die Ende 2020 online geht.